KAB-Geschichte
Gestern und heute
Papst Leo XIII. hat kurz nach Weihnachten 1878 in einem Rundschreiben die Gründung katholischer Arbeitervereine angeregt. In diesem Schreiben ging der Papst auf die Würde des Arbeiters, die Not der Armen und Pflicht der Reichen ein. Als Mittel, die christliche Soziallehre in die menschliche Gesellschaft zu tragen, empfahl der Papst die Handwerker- und Arbeitervereine. Von der Betrachtung des Weihnachtsgeschehens, wo ein Arbeiter (der Hl. Josef, heute Patron der Arbeiter, Fest am 1. Mai) das grösste Geheimnis der Weltgeschichte hütete, liess sich der Papst in seinem Rundschreiben leiten. Die Botschaft von Papst Leo XIII. wurde auch in Chur gehört und umgesetzt.
So wurde im Januar 1902, unter der Leitung von H.H. Domsextar, dem späteren Dompropst Dr. Hieronimus Loretz sel., der kath. Arbeiterverein als eigener Standesverein gegründet. Am 2. Febr. 1902 begann nun das neue Gebilde: «Katholischer Arbeiterverein Chur» genannt, seine Tätigkeit. Die künftigen Aufgaben wurden in drei Gruppen aufgeteilt: 1. Die religiös-sittliche Behebung; 2. Die soziale Unterstützung; 3. Die geistige Weiterbildung der Arbeiterschaft. Die Stimmung für die Ausführung dieser Programmpunkte war offensichtlich eine gute, und die Folge davon durfte sich mit dem Einstand von gegen hundert Mitgliedern als gutes Omen zeigen lassen. Der Kath. Arbeiterverein Chur war nach St. Gallen und Gossau der 3. Kath. Arbeiterverein in der Schweiz.
Die Leitung des Kath. Arbeitervereins stand bis zum Jahre 1910 unter geistlicher Führung. Ab diesem Zeitpunkt wurde nach Wunsch des damaligen Präses das Steuer einem Laien übergeben. Begründet war dieser Wechsel insofern, als ab und zu auch politische Traktanden zu erledigen waren, bei denen ein Präses eher Zurückhaltung üben musste. Dagegen blieb der kath. Standesverein durch alle Jahre hindurch sich bewusst, einen geistlichen Führer in seiner Mitte zu haben, dem für Billdungs- und Aufklärungsstoff ein gerüttelt Mass an Arbeit beschieden war. Als erster Präsident wurde 1910 Josef Oeler gewählt.
Zu allen aktuellen Themen wie Kirche, Religion, Familie, Erziehung, Politik (Wahlen in Chur und kantonale Wahlen) und Volksabstimmung wurden immer Vorträge oder Referate gehalten. Es wurden jeweils «sehr gute und kompetente» Persönlichkeiten als Redner verpflichtet. Bis in die 50er Jahre gab es kein Fernsehen und Radio bei den meisten Arbeiterfamilien. Tageszeitungen konnten sich diese Familien auch nicht leisten. Die Arbeiterschaft wurde durch Referate und Vorträge, Schulungswochenende, Exerzitien und vieles mehr informiert und weitergebildet.
Der Arbeiterverein führte über Jahrzehnte eine Wöchnerinnenkasse. Eine weitere Möglichkeit, Familien in Notlagen finanziell unterstützen zu können, war die Gründung der Sterbekasse. Diese Kasse wird heute noch geführt. Zum Jahresprogramm gehörten auch immer: Gemeinschaftskommunion; Teilnahme an der Fronleichnams-Prozession mit der Fahne auf dem Hof; nächtliche Anbetungsstunden am Gründonnerstag/Karfreitag; Wallfahrten nach Ziteil und Mastrils; Kinderweihnachtsfeier am Stephanstag mit Bescherung der Kinder.
Für folgende Aktionen wurden Kerngruppen gebildet: Kartoffel- und Äpfel-Aktionen; Unterhaltung und Theater; St. Nikolaus-Aktion; Missionsaktion des Bündner Werkvolkes, heute «Brücke - Le pont»; Mithilfe und Unterstützung des Präses und der Pfarrer bei vielen Anlässen in Kirche und Pfarreien.
Für den «Arbeiter» war es Ehrensache, etwas für den Herrn Pfarrer (für die Kirche) zu tun.
Seit ihrer Einsetzung haben die «Pfarreiräte» viele Tätigkeiten von den kath. Standesvereinen übernommen. Die «Konsum-Gesellschaft» der heutigen Zeit verlangte eine Neuorientierung in der Vereinstätigkeit der KAB Chur.
Die tägliche Informationsflut der Massenmedien von Presse, Rundfunk und TV, das vielseitige Angebot von Freizeitbeschäftigung und Sportveranstaltungen für Familien, der Wohlstand allgemein und vor allem das «frei sein und keine Verantwortung übernehmen wollen» sind für die Mitgliederwerbung bei der KAB nicht gerade förderlich. Seit dem Jahre 1981 sind in unserer Bewegung auch Frauen als Mitglieder herzlich willkommen. Sie sind bei den heutigen Vereinsaktivitäten ohnehin die guten Geister, die vor und hinter den Kulissen wertvolle Arbeit leisten.
Die Eröffnung des Kirchgemeindehauses «Titthof» im Dezember 1982 brachte der KAB grosse Vorteile. Als ein zur Kath. Kirchgemeinde gehörender Standesverein hat die KAB Gastrecht in dessen Räumen. Ohne die Benützungsmöglichkeiten dieser Räume wären eine St. Nikolaus-Aktion und die Unterhaltungsabende kaum mehr durchführbar. Zudem stehen der KAB Schränke für die wertvollen Nikolaus-Kleider und Magazine für Kulissen und Utensilien zur Verfügung. Versammlungen, Informationsabende und Jassmeisterschaften finden auch im Titthof statt. Die KAB dankt der Kath. Kirchgemeinde dafür ganz herzlich.
Ein Grossanlass der KAB ist jedes Jahr die St. Nikolaus-Aktion. Sie ist unter Kapitel «St. Nikolaus» im Detail beschrieben. Im Sinne des päpstlichen Rundschreibens, den sozial Schwächeren zu helfen, geht der Reinerlös der St. Nikolaus-Aktion an wohltätige Institutionen (Sonderschulen und Heime für Menschen mit einer Behinderung).
Ein weiterer Höhepunkt im Jahresprogramm sind die Theater- und Unterhaltungsabende mit grosser Tombola und Preisverlosung. Die eigene KAB–Theatergruppe führt jährlich an drei Abenden ein Theater auf.
Im Herbst 1986 wurde erstmals eine Jassmeisterschaft durchgeführt. Dieser Anlass ist heute noch sehr beliebt und zieht jeweils ganze Heerscharen in den Titthof.
Seit 1977 organisiert der Verein alle 2 Jahre eine mehrtägige Reise ins Ausland. Diese Ausflüge sind so gefragt, dass sie jeweils in kürzester Zeit ausgebucht sind.
Im Herbst findet jeweils Honig-Verkauf zu Gunsten von Projekte der «Brücke – Le pont» statt.
Dieses Hilfswerk, früher unter dem Namen «Brücke der Bruderhilfe», wurde 1955 von einem Arbeiter in den Saurer-Werken in Arbon gegründet. Damals haben die Arbeiter aus ihrem Zahltags-Säcklein einen Batzen diesem Missionswerk gespendet. An der 1. Mai-Feier wurde jeweils der 1. Mai-Bändel für 50 Rappen verkauft. Der Arbeiterverein Chur hat seit 1955 bei dieser Aktion mitgemacht. Seit anfangs der 80er Jahre unterstützt die KAB Chur diese Projekte mit dem Honig-Verkauf, der jeweils im Oktober stattfindet (siehe auch Kapitel Brücke - Le pont).
Mit Spontananlässen wie z.B: Besichtigung der Kathedrale Chur, Besuch der Stiftsbibliothek St. Gallen, Nachmittagsausflüge, Fahrt ins Blaue für Pensionierte sowie verschiedene geführte Wanderungen wird jeweils das aktuelle Jahresprogramm noch bereichert.
Beim Ressort «Jugendförderung» werden Projekte für die Förderung von Jugendgruppen finanziell unterstützt. So wird die KAB bei Jugendorganisationen bekannt. Als Gegenleistung helfen einige «Begünstigte» beim Honig-Verkauf, bei der St. Nikolaus-Aktion und an den Unterhaltungsanlässen tüchtig mit.
Trotz aller Veränderungen seit der Gründung des Vereins, bemüht sich die heutige KAB ein «Arbeiterverein» im Sinne von Papst Leo XIII. zu sein. So wird der 1. Mai-Gottesdienst zu Ehren des Hl. Josefs, Patron der Arbeiter, immer noch gefeiert. Der selbstlose Einsatz aller Verantwortlichen und Helferinnen und Helfer ist auch nach wie vor noch Ehrensache.

